HCG-Diät: Ist Abnehmen mit Hormonen gefährlich?

HCG-Diät: Ist Abnehmen mit Hormonen gefährlich?

REDAKTION, 04. OKTOBER 2022

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Sind Hormone der Geheimtipp für eine Diät?

Diäten gibt es wie Sand am Meer. Eine der Diäten, die vor allem unter den Reichen und Schönen ein Comeback gefeiert hat, ist die HCG-Diät. Die Diät wurde schon in den 50er Jahren entwickelt und basiert auf einer stark reduzierten Kalorienzufuhr in Kombination mit täglich zugeführten Hormonen. Das Schwangerschaftshormon HCG soll beim Abnehmen helfen und Heißhunger reduzieren. Es soll sogar möglich sein, die ungeliebten Fettdepots an den Hüften und Oberschenkeln gezielt zum Schmelzen zu bringen. Doch was ist dran: Kann man mit Hormonen wirklich gezielt abnehmen oder handelt es sich nur um einen weiteren gefährlichen Trend? Jetzt in diesem Artikel lesen.

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Diäten helfen zwar kurzfristig beim Abnehmen, sind aber keine dauerhafte Lösung. Oft sorgt der gefürchtete Jojo-Effekt dafür, dass die Kilos schnell wieder auf den Hüften sind. Abnehmen ohne Diät kann aber klappen - mit nützlichen Tipps und pflanzlicher Hilfe.

Was ist die HCG-Diät / HCG-Stoffwechselkur?

Die HCG-Diät wurde vor fast 70 Jahren vom britischen Arzt Dr. Albert T.W. Simeons entwickelt. Ziel der Diät ist die gezielte Reduktion von Fettdepots, vorrangig an den Hüften, Beinen und Armen. Diese Stellen gehören zu den klassischen Problemzonen der meisten Frauen - das Fett hält sich hier oft besonders hartnäckig und wird als störend empfunden. Durch die gezielte Reduzierung des Depotfetts soll eine allgemeine Gewichtsabnahme erreicht werden. Die HCG-Diät kombiniert eine sehr niedrige Kalorienzufuhr mit einer täglichen Injektion des Schwangerschaftshormons HCG.

Hinter der Idee, dem Körper das Schwangerschaftshormon zuzuführen, um eine gezielte Gewichtsabnahme zu erreichen, stecken Beobachtungen und Studien von Simeons. Indische, schwangere Frauen verloren trotz sehr geringer Energiezufuhr mehr Fett- als Muskelgewebe und waren gleichzeitig sehr leistungsfähig. Im Rahmen seiner Beobachtungen stellte Simeons fest, dass Frauen mehr Gewicht verlieren, wenn neben der extrem niedrigen Kalorienzufuhr niedrige Dosierungen von HCG verabreicht werden. Außerdem soll die Gabe des Schwangerschaftshormons das Hungergefühl reduzieren und emotionale Verstimmungen während der Diät verhindern.

Was bewirkt HCG beim Abnehmen?

HCG steht für humanes Choriongonadotropin. Das Eiweißhormon wird während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet und stellt die optimale Nährstoffversorgung des Fötus sicher. Es ist grundsätzlich für die Erhaltung der Schwangerschaft zuständig. Medizinisch wird es auch zur Behandlung von Unfruchtbarkeit eingesetzt.

Das Schwangerschaftshormon bewirkt im Falle einer Mangelversorgung, dass der Körper der Mutter Fettzellen verbrennt und die so gewonnene Energie an das Baby weitergeleitet wird. Grundgedanke des britischen Doktors war es, dass das HCG die Fettzellen auch dann abbaut, wenn keine Schwangerschaft vorliegt. Durch die Injektionen wird dem Körper quasi eine Schwangerschaft vorgegaukelt, um die Fettverbrennung und den Stoffwechsel anzuregen.

Die Wirkung von HCG auf die Gewichtsabnahme wurde anhand verschiedener Studien in den letzten 60 Jahren ausgiebig untersucht. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Hormoninjektion zu einer schnelleren Gewichtsabnahme führt, als es allein durch eine stark kalorienreduzierte Ernährung der Fall wäre. Auch für den erhöhten Fettabbau, das reduzierte Hungergefühl und die Vermeidung von Stimmungsschwankungen gibt es keine Nachweise. Dementsprechend sind Medikamente mit HCG zur Unterstützung der Gewichtsabnahme in Deutschland nicht zugelassen.

Von HCG gehe der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft zufolge keine fettmobilisierende Wirkung aus, noch habe das Hormon einen Einfluss auf das Hungergefühl. Die Gewichtsabnahme sei bei Übergewichtigen nicht höher als durch eine stark kalorienreduzierte Diät und auch die Befindlichkeit verbessere sich nicht.

Ablauf der HCG-Diät: Wie funktioniert die HCG-Diät?

Die HCG-Diät bzw. Stoffwechselkur besteht aus mehreren Phasen, die aufeinander aufbauen. Für gewöhnlich wird die HCG-Diät über einen Zeitraum von bis zu 6 Wochen durchgeführt, aber auch eine 21-Tage-Stoffwechselkur ist möglich. Die Diät-Phase ist die wichtigste Phase, hier wird der größte Gewichtsverlust erzielt. Die weiteren Phasen sind entscheidend für den langfristigen Erfolg und dienen der langfristigen Ernährungsumstellung.

Phase 1: Ladephase

Die HCG-Diät startet mit einer Ladephase. Es wird also mit 2 Schlemmertagen begonnen, an denen alles erlaubt ist. Man darf und soll alles essen, worauf man Lust hat. Auch bei den Kalorien ist keine Grenze gesetzt. Durch das ungehemmte Essen soll der Stoffwechsel angekurbelt werden. Gleichzeitig soll durch die ungesunde Übersättigung die Lust auf gesunde Lebensmittel gefördert werden.

Phase 2: Diätphase

Mit dem dritten Tag beginnt die eigentliche Diät, bei der die Kalorienzufuhr drastisch verringert wird. Diese Phase dauert in der Regel 21 Tage, in denen nur 500 kcal pro Tag erlaubt sind. In manchen Abwandlungen der HCG-Diät sind bis zu 800 Kilokalorien erlaubt. Damit die Kalorienmenge auch nicht überschritten wird, ist das Zählen unverzichtbar. In dieser Phase wird die gewünschte Gewichtsreduktion erzielt.

Bei der HCG-Diät ist aber nicht nur die kalorienreduzierte Ernährung von Bedeutung. Entscheidend ist, dass Abnehmwillige zusätzlich das HCG-Hormon erhalten. Lange Zeit wurde das Hormon täglich in Form von Spritzen verabreicht. Heute ersetzen Produkte wie Tropfen, Tabletten, Globuli oder Nasensprays die Injektionen.

Phase 3: Stabilisierungsphase

Wie auch bei vielen anderen Diäten üblich, folgt nach der Diät-Phase eine Stabilisierungsphase. Diese dient vor allem dem Erhalt der Gewichtsreduktion und soll den Jojo-Effekt verhindern. Es darf langsam wieder normal gegessen werden und auch die Lebensmittel, die während der 21 Tage nicht erlaubt waren, dürfen langsam wieder gegessen werden. Grob kann man die Kalorienzufuhr täglich um etwa 100 Kilokalorien erweitern - über einen Zeitraum von 3 Wochen.

HCG-Diät: Was darf ich essen?

Die Grenze von 500 (800) kcal pro Tag ist sehr schnell erreicht. Besonders, da weder Fett, noch Kohlenhydrate auf dem Speiseplan stehen, ist die Auswahl an erlaubten Lebensmitteln begrenzt. Dazu zählen:

  • Gemüse
  • zuckerarmes Obst (in geringen Mengen); z.B. grüne Äpfel, Beeren
  • magerer Fisch (z.B. Hecht, Kabeljau)
  • mageres Fleisch (z.B. Hähnchen)
  • Tofu, Seitan, Tempeh
  • Eier (bevorzugt nur das Eiweiß)

Nicht erlaubt sind folgende Lebensmittel:

  • Fett
  • Milchprodukte
  • Kohlenhydrate (in Form von Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Brot)
  • Zucker
  • Alkohol

Unser Tipp zum Abnehmen

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Wie schnell kann man mit der HCG-Diät abnehmen?

Die meisten Diäten zielen darauf ab, in kurzer Zeit einen möglichst hohen Gewichtsverlust zu erzielen. Das gilt vor allem für stark kalorienreduzierte Diäten (z.B. im Low-Carb-Segment) oder auch für die HCG-Diät. Dadurch, dass man täglich nur 500 Kilokalorien zu sich nimmt, kann man sehr schnell abnehmen - abhängig ist das aber auch vom Ausgangsgewicht. Versprochen werden Gewichtsverluste von bis zu 10 % in der Diätphase. Jedoch hat man auch trotz der Stabilisierungsphase mit einem Jojo-Effekt zu rechnen, der rasch auch wieder zur Gewichtszunahme führt. Dass HCG-Produkte den Jojo-Effekt verhindern, konnte wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Wie lange macht man die HCG-Diät?

Klassisch dauert die Stoffwechselkur 6 Wochen. Nach der zweitägigen Ladephase folgen 21 Tage strenge Diät und dann weitere 3 Wochen der Stabilisierung. Man sollte die HCG-Diät keinesfalls ausweiten, da die Vitamin- und Nährstoffversorgung durch die extrem eingeschränkte Nahrungszufuhr nicht gewährleistet wird.

Welche Nebenwirkungen hat die HCG-Diät?

Die Stoffwechselkur kann zwar zu einem schnellen und drastischen Gewichtsverlust beitragen, ist aber dementsprechend auch mit teils starken Nebenwirkungen verbunden. Diese sind weitgehend auf die geringe Kalorienzufuhr zurückzuführen, doch auch die Zufuhr des Hormons kann zu Problemen mit der Gesundheit sorgen. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Mundgeruch
  • Konzentrations- und Leistungsschwäche, Müdigkeit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Muskelkrämpfe
  • Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Periode; im Falle hormoneller Verhütung eventuell eingeschränkte Wirksamkeit
  • ständiges Frieren
  • Haarausfall
  • Thrombosen

Besonders bei HCG-Präparaten ist Vorsicht geboten. Es können giftige oder gefährliche Substanzen enthalten sein, die zu weiteren Nebenwirkungen führen können.

Sind HCG-Globuli gefährlich?

Während das Schwangerschaftshormon früher hauptsächlich gespritzt wurde, erfolgt die Einnahme heute unter Umständen auch in Form von Tropfen oder Globuli. Die Einnahme von hochdosierten HCG-Präparaten kann unter Umständen mit starken Nebenwirkungen verbunden sein. In den erhältlichen Globuli konnten aber keine Hormone nachgewiesen werden, weshalb sie auch nicht gefährlich sind. Dadurch, dass die erhältlichen Globuli hormonfrei sind, erzielen sie aber auch keine Wirkung. Beim Kauf im Internet sollte man auch bei HCG Globuli vorsichtig sein - es können giftige Substanzen enthalten sein.

Wie fällt die Kritik der HCG-Diät aus?

Die HCG-Diät bzw. Stoffwechselkur steht wie die meisten drastischen Diäten stark in der Kritik. Ein Grund dafür ist die extrem kalorienreduzierte Ernährung, die als bedenklich für den Körper eingestuft wird. Die Kalorienmenge sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Grenze für 1000 Kilokalorien nicht unterschreiten. So wird maximal ein Gewichtsverlust von 0,5 Kilogramm pro Woche erreicht, der als gesund zu erachten ist. Folgt man dem strengen Diätplan für längere Zeit, kann es zu drastischen Defiziten hinsichtlich der Nährstoff-, Vitamin- und Mineralstoffversorgung kommen. Zusätzlich fährt der Stoffwechsel extrem herunter, wodurch es auch zum gefürchteten Jojo-Effekt kommt: Ernährt man sich wieder normal, speichert der Körper die Energie schneller für folgende “schlechte Zeiten” ein. Nicht zuletzt baut man auch Muskulatur ab. Im schlimmsten Fall wiegt man nach der Diät also mehr als vorher.

Doch nicht nur die stark reduzierte Kalorienmenge wird als kritisch eingestuft. Besonders auch die nachgewiesene Wirksamkeit ist einer der großen Kritikpunkte: Es gibt keine Belege dafür, dass HCG beim Abnehmen hilft, geschweige denn die Fettpolster besonders in den Problemzonen schmelzen lässt.

Problematisch sind auch die möglichen Nebenwirkungen durch die Einnahme von HCG. Außerdem sind Medikamente mit HCG in Deutschland für die Reduktion des Körpergewichts nicht zugelassen. Der Kauf solcher Produkte im Internet ist immer auch mit Risiken verbunden. Bestenfalls sind sie wirkungslos, im schlimmsten Fall kann die Gesundheit Schaden nehmen.

HCG-Diät Erfahrung: Was berichten Anwender*innen?

Bevor man sich für eine Diät entscheidet, lesen sich viele Erfahrungen von anderen durch oder suchen den Rat bei einer Ernährungsberaterin. Auch zum Thema Stoffwechselkur stößt man im Netz auf einige Erfahrungen von Anwender*innen. Die Berichte sind überwiegend positiv. Die vielen Frauen sind mit den Ergebnissen zufrieden. Vereinzelt findet man auch Erfahrungen von Männern oder Eheleuten, die gemeinsam mithilfe der HCG-Diät abgenommen haben. Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass der Gewichtsverlust allein durch die stark reduzierte Kalorienzufuhr erreicht wird. Es wird berichtet, dass Heißhunger ausbleibt - auch hier kann es sich um einen Placebo-Effekt handeln.

Was kostet die HCG-Diät?

Die Stoffwechselkur ist teuer. Dabei ist es egal, ob man sich für Tropfen, Globuli oder Injektionen entscheidet. Die Produkte sind allesamt im Internet erhältlich und kosten etwa 80 bis 200 Euro. Oft wird empfohlen, im Rahmen der HCG-Diät zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um die mangelhafte Nährstoffversorgung zu verhindern.

Wer die Stoffwechselkur z.B. bei starkem Übergewicht in einem Diät-Zentrum oder einer Klinik durchführt, muss mit Kosten von bis zu mehreren Tausend Euro rechnen.

Fazit

Aus gesundheitlichen Gründen ist die Stoffwechselkur nicht zu empfehlen. Besonders die strikte Diätphase sorgt fast immer für einen starken Nährstoff-, Mineralstoff- und Vitaminmangel, der sich auch mit Nahrungsergänzungsmitteln nur bedingt verhindern lässt. Auch die Einnahme von Schwangerschaftshormonen, deren Wirkung beim Abnehmen nicht belegt ist, kann zu unerwünschten und teils schweren Begleiterscheinungen führen. Vermutlich kommt es, wie auch bei anderen Diäten, spätestens nach der Stabilisierungsphase zum unerwünschten Jojo-Effekt.

Wer gesund abnehmen möchte, sollte sich die Zeit dafür nehmen und auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung setzen. Ein leichtes Kaloriendefizit reicht aus, um wöchentlich etwa 0,5 Kilogramm zu verlieren, ohne den Stoffwechsel zu bremsen und an Muskelmasse zu verlieren. Ergänzend ist viel Bewegung wichtig.


QUELLEN

  • Bosch B. et al. (1990). Human chorionic gonadotrophin and weight loss. A double-blind, placebo-controlled trial. South African medical journal, 77(4), 185-189.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. (2018). Entgiftungsdiäten, Schlank im Schlaf-Diät, HCG-Diät – ein Überblick. DGE info, 3, 39-45.
  • Lijesen, G.K. et al. (1995). The effect of human chorionic gonadotropin (HCG) in the treatment of obesity by means of the Simeons therapy: a criteria-based meta-analysis. British Journal of Clinical Pharmacology, 40(3), 237-243. DOI: 10.1111/j.1365-2125.1995.tb05779.x

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