Zunehmen ohne Grund? Diese Krankheiten sind schuld!

vitlarin redaktion

LAURA LINDEMANN

06. JULI, 2021

Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund? Diese 5 Krankheiten können dahinter stecken!

Die Ernährungsgewohnheiten stimmen, man bewegt sich genug und achtet auf ausreichend Flüssigkeit und Schlaf. Und trotzdem steigt das Gewicht plötzlich auf der Waage. Eine Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund kann äußerst frustrierend sein. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, kann ein Arztbesuch ratsam sein. Schließlich können mehrere Krankheiten dafür sorgen, dass man in kurzer Zeit viel zunimmt. Jetzt mehr erfahren!

starke gewichtszunahme am bauch

Schwere Krankheiten oder Medikamente können für eine plötzliche Gewichtszunahme sorgen.

Warum nimmt man zu?

Um zu überleben, braucht der Körper Energie. Für jeden Prozess, jede Funktion und jede Bewegung. Verallgemeinert spricht man auch von Kalorien. Dabei sind Joule (J) und Kalorie (cal) die Einheiten, in denen die Energie bestimmt wird. Die Energie nimmt der Körper durch die Ernährung auf, in Form von Kohlenhydraten, Proteinen, Fett und Alkoholen. Diese wiederum wird vom Körper verbrannt und unter anderem in Wärme umgewandelt.


Wie hoch der individuelle Energiebedarf ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Darunter zählen das Geschlecht, das Alter, die ethnische Herkunft, aber auch das aktuelle Körpergewicht, die Körperzusammensetzung sowie der Gesundheitszustand. Auch die Umgebungstemperatur und die körperliche Aktivität verändert den Energieverbrauch bzw. -bedarf. Beispielsweise ist der Energiebedarf in der Wachstumsphase oder auch während einer Schwangerschaft höher. Ebenso wie bei Leistungssportlern oder anstrengender körperlicher Arbeit.


Männer haben grundsätzlich etwas mehr Muskelmasse als Frauen, weshalb der Kalorienbedarf bei etwa 2400 bis 3100 Kalorien am Tag liegt. Bei Frauen beträgt der Normalwert etwa 1900 bis 2400 Kalorien täglich.


Die Grundregel ist, dass man an Gewicht zunimmt, sobald man mehr Kalorien zu sich nimmt, als der Körper verbrennt. Dabei muss sich nicht immer am Lebensstil oder der Ernährungsweise etwas ändern. Manchmal stecken auch Krankheiten dahinter, hormonelle Umstellungen oder auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Das erklärt oft, wenn plötzlich viel zugenommen wurde.


Wann sollte man bei einer Gewichtszunahme zum Arzt?

Wer an Gewicht zulegt, muss natürlich nicht gleich zum Arzt. Vor allem, wenn sich die Gewichtszunahme erklären lässt, beispielsweise durch veränderte Ernährungsgewohnheiten oder weniger Bewegung. Auch das Alter wirkt sich vor allem bei Frauen in Form von Hormonschwankungen auf das Gewicht aus.


Lässt sich die Gewichtszunahme jedoch nicht plausibel erklären, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eine krankheitsbedingte Gewichtszunahme liegt dann vor, wenn der Körperumfang trotz verhältnismäßiger Ernährung weiter zunimmt. Auch bei erfolglosen Diäten kann eine Untersuchung Aufschluss geben.


Ein Arztbesuch ist bei folgenden Symptomatiken ratsam:

  • stetige Gewichtszunahme ohne offensichtlichen Grund
  • Ödeme, Schwellungen, dicke Beine oder Bauch
  • Gewichtszunahme trotz Appetitlosigkeit
  • ergänzende Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kurzatmigkeit oder Luftnot


Ist eine Krankheit ursächlich für die Gewichts-zunahme, kann diese durch die richtige Behandlung meist eingedämmt werden.

Plötzliche Gewichtszunahme aufgrund von Krankheiten

Das eigene Körpergewicht ist keine Konstante. Es macht beispielsweise schon einen Unterschied, ob man sich morgens nach dem Aufstehen wiegt oder nach einem schwer verdaulichen Mittagessen. Kleine Schwankungen sind kein Grund zur Sorge. Kommt es jedoch zu einer plötzlichen Gewichtszunahme und unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Antriebslosigkeit, kann eine Krankheit ursächlich sein. Einige Krankheiten beeinflussen Wasser- und / oder Fetteinlagerungen und sorgen so für eine vermeintlich unerklärliche Gewichtszunahme.

Gewichtszunahme: Schilddrüse

Häufig steckt die Schilddrüse hinter Veränderungen beim Körpergewicht. Vor allem bei jungen Frauen ist eine Schilddrüsenunterfunktion nicht unüblich.


Die Schilddrüse produziert die Hormone, die den Stoffwechsel regulieren. Ist die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigt und werden in Folge zu wenig Hormone produziert, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Trotz eventueller Appetitlosigkeit kann es dadurch zu einer Gewichtszunahme kommen.


Weitere Symptome, die auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen, sind: Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, trockene Haut, Schwellungen im Augenbereich, Haarausfall, depressive Verstimmungen oder Zyklusstörungen bei Frauen.


Der Hormonmangel lässt sich mithilfe von Hormontabletten ausgleichen. Die Symptome wie auch eine Gewichtszunahme lassen sich so gut regulieren.

Gewichtszunahme: Cushing-Syndrom

Ähnlich wie bei der Schilddrüsenunterfunktion handelt es sich auch beim Cushing-Syndrom um eine Hormonstörung. Beim Cushing-Syndrom, auch unter dem Namen Morbus Cushing bekannt, wird übermäßig viel Cortisol in der Nebennierenrinde produziert. Diese Überproduktion wird meist durch einen gutartigen Tumor in der Hirnanhangdrüse ausgelöst.


Typisch für das Cushing-Syndrom ist eine erhebliche Gewichtszunahme, meist in Form einer Stammfettsucht, also einer übermäßigen Fettverteilung im Bauchbereich. Arme und Beine sind von der Gewichtszunahme kaum betroffen. Außerdem kommt es häufig zu einem Mondgesicht. Die Muskelmasse nimmt ab und der Blutdruck geht nach oben. Nicht selten kommt es auch zu unreiner Haut und bei Frauen zu einem Damenbart. Zuletzt entwickelt sich oft auch ein Stiernacken. Die Übermenge an Cortisol schwächt das Immunsystem, weshalb Betroffene höchst anfällig für Infektionen sind. Wird Morbus Cushing nicht behandelt, führt es daher meist innerhalb weniger Jahre zum Tod.


Das Cushing-Syndrom kann operativ behandelt werden. Die erste Alternative ist das Entfernen des gutartigen Tumors. Es besteht außerdem die Möglichkeit, die Nebennieren zu entfernen, wobei dieser Schritt mit höheren Risiken verbunden ist. Ist die übermäßige Cortisol-Produktion gestoppt, stagniert auch die weitere Gewichtszunahme.

Gewichtszunahme durch Tumore

Tumore, die Hormone produzieren, können ebenfalls eine Gewichtszunahme auslösen.

Hierzu zählt unter anderem auch der Tumor der Hirnanhangsdrüse, der für das Cushing-Syndrom verantwortlich ist. Zu den weiteren Tumoren, die eine Gewichtszunahme auslösen können zählen: Hypothalamustumor, Insulinom und ein Nebennierenrinden-Tumor.


Die Tumore können dabei sowohl bösartig, als auch gutartig sein. Da sie sich im Bereich von hormonproduzierenden Drüsen befinden, wirken sie sich auf die Hormonfreisetzung aus. In Folge wird eine Unter- oder Überproduktion ausgelöst, welche sich unterschiedlich auf den Körper auswirken.

Gewichtszunahme bei Frauen: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)

Fast jede 10. Frau in Deutschland ist zumindest von einer leichten Form des polyzystischen Ovarialsyndroms betroffen. Das Syndrom ist eine Erkrankung der Eierstöcke, die verschiedene Symptome auslöst. Viele Frauen mit PCOS leiden unter leichtem Übergewicht. Das hängt damit zusammen, dass die Insulinproduktion des Körpers angeregt wird. Das Insulin wiederum sorgt dafür, dass Nahrungsenergie überwiegend in Fettspeichern eingelagert wird. Die Folge: Gewichtszunahme.

Das PCOS ist nicht heilbar, kann aber mit gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und auch einer hormonellen Therapie behandelt werden. 

Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (Ödeme)

Bestimmte Krankheiten sorgen dafür, dass sich Wasser im Gewebe einlagert. Nicht nur Fetteinlagerungen sind für eine Gewichtszunahme verantwortlich, auch Wassereinlagerungen machen sich auf der Waage bemerkbar. Zu erkennen sind Wassereinlagerungen meist an Schwellungen in den Armen / Beinen, des Gesichts und den Augenlidern. Auch im Bauchbereich kann sich übermäßig viel Wasser einlagern.


Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen führen meist zu Wassereinlagerungen und der damit verbundenen Gewichtszunahme. Aber auch Allergien und ein gestörter Lymphabfluss können Wassereinlagerungen fördern.

Gewichtszunahme durch Medikamente

Nicht nur Krankheiten, sondern auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Gewichtszunahme als Nebenwirkung haben. Vor allem Kortison, Antidepressiva, hormonelle Verhütungsmethoden und Insulin sind bekannt dafür, sich auf das Gewicht auszuwirken.


Wird über einen längeren Zeitraum hochdosiertes Kortison eingenommen kann es zu ähnlichen Symptomen wie bei Morbus Cushing kommen. Es bilden sich Wassereinlagerungen im Gesicht und die Gewichtszunahme äußert sich mit der typischen Fettverteilung im Bauchbereich.


Häufig kommt es durch die Einnahme von Antidepressiva zu einer Gewichtszunahme. Diese Nebenwirkung ist hier besonders gefürchtet, da die Gewichtszunahme einen depressiven Schub auslösen kann.


Die Anti-Baby-Pille oder andere hormonelle Verhütungsmittel verursachen häufig Wassereinlagerungen. Dadurch, dass der Körper durch die Hormone weiblicher wird, kommt es oft aber auch zu einer Zunahme an Fett.


Wird Insulin, wie bei der konventionellen Insulintherapie üblich, nach einem festgelegten Schema verabreicht, kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. In seltenen Fällen kommt es außerdem zu Wassereinlagerungen. Die Gewichtszunahme kann nur bedingt verhindert werden, beispielsweise durch andere Behandlungskonzepte.

Weitere Gründe für eine plötzliche Gewichtszunahme

Nicht nur Krankheiten und Medikamente können eine plötzliche Gewichtszunahme bewirken. Auch anhand des Lebensstils lässt sich eventuell eine Ursache für das Dickerwerden finden. 

Gewichtszunahme durch Stress

Stress ist bekannt dafür, sich nachteilig auf das Körpergewicht auszuwirken oder den Abnehmprozess zu hemmen. Auch hier ist das Hormon Cortisol für die Gewichtszunahme verantwortlich. Ist man gestresst, schüttet der Körper Cortisol aus, welches zu einer vermehrten Fetteinlagerung beiträgt. Das zeigt sich vor allem im Bauchbereich. Außerdem sorgt Stress bei vielen Personen dafür, dass sie mehr und vor allem ungesund essen und dadurch zwangsläufig zunehmen.

Gewichtszunahme durch Alkohol

Nicht nur die vielen Kalorien des Alkohols wirken sich negativ auf das Körpergewicht aus. Der Alkoholkonsum sorgt außerdem dafür, dass vermehrt Glückshormone im Gehirn ausgeschüttet werden. Man entspannt und es folgt eine Enthemmung. Gleichzeitig regt der Alkohol die Magenschleimhaut an, wodurch ein Hungergefühl ausgelöst wird. Vor allem die Lust auf fettige Lebensmittel steigt dadurch an.


Bei Frauen zeigt sich ein langjähriger, übermäßiger Konsum von Alkohol oft in Form von Fett auf den Rippen und einem anwachsenden Taillenumfang.

Rauchstopp

Für viele Raucher ist die Gewichtszunahme ein guter Grund, nicht mit dem Rauchen aufzuhören. Dabei hat das Rauchen nur negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Hört man nun auf zu rauchen, zeigt sich das oft durch eine Gewichtszunahme. Einerseits hilft das Rauchen dabei, den Appetit zu unterdrücken, wodurch Raucher*innen weniger essen.


Außerdem sorgt das Rauchen, wie auch Süßigkeiten oder fettreiche Nahrung, dafür, dass der Dopaminspiegel im Blut kurzzeitig ansteigt. Dadurch empfindet man ein Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Wer jedoch aufhört zu rauchen, senkt das Dopaminlevel. Das Verlangen danach besteht jedoch weiterhin, weshalb viele es mit ungesunden Snacks zu befriedigen versuchen. Auch hier ist eine Gewichtszunahme die Folge.


QUELLEN

  • BMJ (2012). Weight gain in smokers after quitting cigarettes: meta-analysis. https://doi.org/10.1136/bmj.e4439
  • Fassnacht, M. (2020). Cushing-Syndrom. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. https://www.endokrinologie.net/cushing-syndrom.php
  • Pharmazeutische Zeitung. (2012, 8. Mai). Morbus Cushing - Cortisol-Exzess beenden. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-192012/cortisol-exzess-beenden/
  • Pinkerton, J.V. (2019, Juli). Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS). MSD Manual. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/menstruationsst%C3%B6rungen-und-abnormale-scheidenblutungen/polyzystisches-ovarialsyndrom-pcos 

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