Formula-Diät: Schnell abnehmen oder Gesundheitsgefahr?

vitlarin redaktion

LAURA LINDEMANN

26. JULI, 2021

Formula-Diät: Sind die Abnehmshakes gefährlich für die Gesundheit?

Fertigpulver, Kapseln, Tabletten - der Markt an Schlankheitsmitteln hat einiges zu bieten. Auch die Nachfrage in Deutschland ist groß, etwa die Hälfte der Deutschen empfindet sich als zu dick. Gleichzeitig fehlt es jedoch an Zeit und Durchhaltevermögen, um sich gesund zu ernähren. Da geht der Griff schnell zum Abnehmprodukt, das einen schnellen Gewichtsverlust verspricht. Besonders beliebt sind Formula-Diäten, bei denen Mahlzeiten durch Shakes ersetzt werden. Doch sind solche Diäten gesund? Können Abnehmshakes gefährlich sein? Wir klären die häufigsten Fragen!

starke gewichtszunahme am bauch

Abnehmshakes sind äußerst beliebt. Doch sie können auch gefährlich sein!

Abnehm-shakes müssen strenge gesetzliche Vorgaben erfüllen. Daher variieren die angebotenen Produkte kaum.

Was ist eine Formula-Diät und wie funktioniert sie?

Formula-Diäten versprechen als Form der “Crash-Diät” einen hohen Gewichtsverlust in kurzer Zeit. Dabei werden Mahlzeiten entweder komplett oder teilweise durch einen Fertigdrink oder ein Pulver, das mit Flüssigkeit angerührt wird, ersetzt. Meist gibt es die Produkte in verschiedenen Geschmacksrichtungen (z.B. Vanille, Erdbeere). Eine Mahlzeit hat einen Kaloriengehalt von 200-400 kcal, der Tagesumsatz beträgt somit 800-1200 kcal. Dadurch wird ein erhebliches Kaloriendefizit gewährleistet und das Gewicht reduziert sich.


Die angebotenen Abnehmshakes müssen sich nach der deutschen Diätverordnung richten. § 14 schreibt verschiedene Aspekte vor, die ein Formula-Diät Produkt zu erfüllen hat. Darunter fällt auch der maximale Kaloriengehalt von 400 kcal pro Mahlzeit. Zusätzlich gibt einen vorgeschrieben Anteil an Kohlenhydraten, Protein, Fett und Linolsäure. Auch Mineralstoffe und Vitamine sind vorgeschrieben, um zu gewährleisten, dass es zu keiner Unterversorgung kommt.


Werden alle Mahlzeiten durch Shakes o.ä. ersetzt, sollte die Formula-Diät nicht länger als 14 Tage durchgeführt werden. In Ausnahmefällen und unter ärztlicher Aufsicht kann die Einnahme auch etwas länger erfolgen. Auf diesen Formula-Produkten muss der Hinweis “Darf ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden” vermerkt werden.


Für wen ist die Formula-Diät geeignet?

Prinzipiell eignen sich Formula-Diäten vor allem für Personen mit einem BMI von über 30, also für Menschen mit starkem Übergewicht. Sie dienen als Einstieg in die langfristige Gewichtsreduktion.


Für Personen, die an Gewicht verlieren möchten, aber noch nicht an Adipositas erkrankt sind, kann eine Formula-Diät durchaus auch geeignet sein. Sie dient auch hier als Einstiegshilfe und kann dabei helfen, eine langfristige Ernährungsumstellung zu erleichtern. In solchen Fällen sollten allerdings nicht alle Mahlzeiten, sondern eine bis zwei durch einen Shake ersetzt werden. Auch gelegentlich eine Mahlzeit durch einen Shake zu ersetzen, kann dazu beitragen, ein gesundes Kaloriendefizit zu erreichen.


Eine Diät mit Abnehmshakes ist nicht geeignet, wenn der Körperfettanteil schon recht gering ist. Wer die Formula-Diät dann über mehrere Wochen durchzieht, riskiert dass anstelle von Fett Muskelmasse abgebaut wird. Sind die Fettreserven zu niedrig, werden Eiweiße abgebaut, die für das Muskelwachstum existenziell sind.


Wie viel kann man mit einer Formula-Diät abnehmen?

Die Hersteller von Formula-Diäten versprechen einen Gewichtsverlust von etwa acht bis zwölf Kilogramm innerhalb von 4 Wochen.


Grundsätzlich hängt der Gewichtsverlust aber auch mit individuellen Faktoren zusammen. Menschen mit Adipositas nehmen mit einer Formula-Diät aufgrund des starken Kaloriendefizits in kurzer Zeit sehr viel ab. Wer hingegen weniger wiegt, wird auch weniger an Gewicht verlieren. Der Stoffwechsel und die individuelle Körperzusammensetzung beeinflussen den Abnehmerfolg erheblich.

Welche Vorteile hat eine Formula-Diät?

Der Vorteil von Abnehmshakes ist vor allem die einfache Handhabung. Die Zubereitungszeit ist äußerst gering, das Zubereiten erfordert keine Kochkenntnisse und kann an fast jedem Ort durchgeführt werden. Egal, ob im Urlaub, Zuhause oder im Büro. Es wird lediglich das Pulver benötigt sowie Wasser oder fettarme Milch.


Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Gewichtsverlust rasch eintritt, vor allem bei einem höheren Ausgangsgewicht. Das fördert die Motivation und kann ein Anreiz für eine langfristige Ernährungsumstellung darstellen.


Gesundheitlich können Abnehmshakes bewirken, dass durch die Gewichtsabnahme der Blutdruck und auch der Blutzuckerspiegel gesenkt wird.

Formula-Diät: Nachteile

Auch wenn die Formula-Diät einen ersten Impuls setzt, ist sie für die langfristige Gewichtsabnahme nicht geeignet. Nur eine dauerhafte, kalorienreduzierte Ernährungsumstellung und genügend Sport garantiert einen andauernden Abnehmerfolg. In vielen Fällen kommt es nach dem Absetzen der Abnehmshakes zu einem Jojo-Effekt, wenn die Ernährung und Lebensgewohnheiten so fortgesetzt werden, wie es vor der Formula-Diät der Fall war.


Außerdem kann es während der Einnahme zu mehreren Nebenwirkungen und Mangelerscheinungen kommen. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, Verdauungsprobleme oder Menstruationsstörungen bei Frauen.


Oftmals vermissen die Anwender*innen das Kauen fester Nahrung, da die Formula-Diäten meist ausschließlich auf flüssiger Nahrung bzw. Abnehmshakes basieren. Häufig wird auch der Geschmack als eintönig empfunden. Einige Hersteller der Abnehmshakes versuchen dem mit abwechslungsreichen Rezepten entgegenzuwirken. Beispielsweise kann dem Shake Obst oder Gewürze wie Zimt hinzugefügt werden.


Nicht zuletzt enthalten viele der erhältlichen Abnehmshakes auch ungesunde Zusätze. Oft beinhalten sie Zucker und einiges an chemischen Zusätzen. Schließlich muss ja auch Geschmack in das Pulver kommen und es soll dabei löslich und lange haltbar sein. Teilweise kursierte sogar der Verdacht, dass in manchen der Produkte krebserregende Stoffe enthalten sind. Auch Mineralöl wurde immer wieder nachgewiesen. Öko-Test bestrafte dies im Test mit “ungenügend”.

Unter diesen Umständen kann eine Formula-Diät gefährlich sein!

Eine Studie hat gezeigt, dass vor allem Personen mit Herzerkrankungen ohne ärztlichen Beistand von Crash-Diäten und Abnehmshakes Abstand halten sollten. Überraschenderweise wirken sich solche Diäten anfänglich negativ auf das Herz aus. Schon nach einer Woche kam es in der Studie zu vermehrten Fettablagerungen am Herzen und auch die Pumpleistung und andere Funktionen des Herzens haben sich verschlechtert. Zwar nehmen diese Nebenwirkungen wieder ab, bei Herzkranken kann die vorübergehende Verschlechterung aber Atemnot oder Herzrhythmusstörungen auslösen.


Auch bei Normalgewichtigen sind Formula-Diäten nicht zu empfehlen. Wie bereits erwähnt kann es bei Personen ohne viele Fettreserven durch die Abnehmshakes zu einem Muskelabbau kommen. Dringend abgeraten wird die Verwendung auch Personen mit Essstörungen oder Magersucht.


Für Kinder und Jugendliche unter 18 sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit sind Formula-Diäten ebenfalls nicht geeignet.


Krankheiten, die eine Formula-Diät kontraindizieren sind Diabetes Typ I, Alkoholmissbrauch, instabiler Angina pectoris, Leberfunktionsstörungen und Niereninsuffizienz. Die meisten der Präparate enthalten Magermilchpulver. Daher sollte vorher abgeklärt werden, ob eine Laktose- oder Milcheiweißintoleranz vorliegt.

Kann man Abnehmshakes selber machen?

Betrachtet man die lange Liste der Inhaltsstoffe solcher Diätshakes fallen oft auch negative Zusätze auf. Wie erwähnt ist oft Zucker und Mineralöl erhalten, ganz zu schweigen vom meist eher gewöhnungsbedürftigen und künstlichen Geschmack der Shakes. Dabei kann man Abnehmshakes auch recht einfach zuhause selber machen - mit natürlichen, gesunden und leckeren Zutaten.


Diese Shakes sollten nicht alle Mahlzeiten des Tages ersetzen, schließlich benötigt der Körper eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralstoffen. Sie können den Körper aber dabei unterstützen gesund und nachhaltig abzunehmen und gleichzeitig ein Gefühl für eine ausgewogene Ernährung fördern. Beispielsweise eignet sich ein solcher Shake zum Frühstück. Er sättigt und liefert Energie für den Tag. Wer zu Heißhungerattacken neigt, kann mit einem selbstgemachten Abnehmshake, der Glucomannan enthält, auch das Abendessen ersetzen (oder ergänzen, je nach Kalorienzufuhr). Die Lebensmittel sollten sich grundsätzlich immer am persönlichen Kalorienbedarf orientieren, damit zwar einerseits ein Defizit erreicht wird, aber keine Mangelerscheinungen auftreten.


Besonders wichtig ist ein hoher Proteingehalt. Nur dann macht der Shake auch wirklich lang satt und kann als Mahlzeitenersatz dienen. Wer nicht auf Eiweißpulver zurückgreifen möchte, sollte also möglichst proteinreiche Lebensmittel als Grundzutat wählen. Gut geeignet sind beispielsweise: Griechischer Joghurt, Hüttenkäse, Skyr, Kuh- oder Sojamilch. Auch Haferflocken sind reich an Proteinen und versorgen den Körper außerdem mit vielen ungesättigten Fettsäuren. So wird die Fettverbrennung angekurbelt. Der Shake bekommt eine sämigere Konsistenz und macht noch länger satt.


Ergänzend liefern Obst und Gemüse Geschmack und Farbe. Außerdem machen sie den selbstgemachten Abnehmshake dank der vielzähligen Kombinationsmöglichkeiten äußerst abwechslungsreich. Dunkle Beeren, Spinat und (gefrorene) Bananen sind unser Favorit! Natürliche Süße kann in Form von Honig, Agavendicksaft oder Kokosblütenzucker ergänzt werden. Klassischer, raffinierter Haushaltszucker hat im Abnehmshake hingegen nichts zu suchen! Wem das Ganze immer noch zu fad ist, kann auf Gewürze wie Zimt, Vanille oder Matcha zurückgreifen. Auch Nüsse und Ingwer sind eine gesunde und geschmacksgebende Ergänzung.


QUELLEN

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung. (2018). Paleo-Diät, Glyx-Diät, Formula-Diäten - ein Überblick. DGEinfo, 04, 56-62.
  • Hajeck-Lang, B. (2011). Handbuch Diäten: Adipositas und 40 weitere Krankheitsbilder individuell behandeln (1. Auflage). Urban & Fischer.
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  • Partl, S. & Wallner, S.J. (2002). Die Formuladiät als Hilfsmittel in der Kombinationstherapie von Adipositas. Journal für Ernährungsmedizin, 4(3), 14-19. https://www.kup.at/kup/pdf/1177.pdf
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  • Thomas, K. (2019, 4. Januar). Almased enttäuscht im Test: Starke Mineralölbelastung und Gentech-Soja. https://www.oekotest.de/essen-trinken/Almased-enttaeuscht-im-Test-Starke-Mineraloelbelastung-und-Gentech-Soja-_600768_1.html

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